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Warum die Theorie niemandem das Reiten beibringt, aber Reiten lernen nicht ohne Theorie geht

Aktualisiert: 19. Mai 2019

Theoretisch können wir ja praktisch alle reiten. Aber praktisch können theoretisch die meisten nicht sehr viel.


Wer kennt's nicht? Ich möchte ein guter Reiter sein. Lieber gestern als heute. Es soll sich leicht anfühlen, geschmeidig, ich will eins sein mit dem Pferd. Dass das nicht so "mal eben" geht ist jedem, der schon mal auf einem Pferd saß, klar. Wir nehmen Unterricht, gehen auf Lehrgänge, fahre zu Kursen und bilden uns fort. Klar ist: Reiten lernt man durch reiten.


Reiten: „Das Zwiegespräch zweier Körper und zweier Seelen, das dahin zielt, den vollkommenen Einklang zwischen ihnen herzustellen.“ Waldemar Seunig

Naja, jedenfalls in der Praxis... oder Theorie!?

Was bedeutet reiten können? Auf einem Pferd sitzen? Ein Pferd lenken können? Ein großes Lebewesen in Geschwindigkeit und Richtung kontrollieren können?

Nein! Reiten ist Kunst.

Kunst braucht Zeit. Sie muss sich entwickeln. Aber zu dieser Kunst gehören zwei Lebewesen, zwei Lebewesen, die sich entwickeln müssen, die lernen müssen eine Einheit zu werden und trotzdem den Spaß dabei nicht verlieren - denn was wäre die Kunst ohne Freude?


Die Theorie ist fundamental wichtig für die Ausbildung eines jeden Pferdes. Wie soll ein Maler ein hübsches Gemälde fertigen, wenn er nicht weiß wie er den Pinsel nutzt?


Ich glaube wir alle müssen wieder mehr Freude an der Theorie haben - vielleicht ist es ja das Wort, das bei vielen so negativ behaftet ist, aber neugierig sein ist etwas Großartiges. Wir können mit unserem Wissen unserem Pferd dazu verhelfen stärker zu werden, sich ausbalancierter und koordinierter zu bewegen, sich noch eleganter zu präsentieren und sogar sich besser in der Herde behaupten zu können.

Und wir haben eine Verantwortung! Die Verantwortung, einem Lebewesen, welches uns auf seinem Rücken trägt, aber nie dafür geschaffen wurde, kein Leid zuzufügen.

Aber es entsteht Leid, immer dann, wenn jemand sein Pferd reitet und denkt, es wäre dazu geschaffen. Immer dann, wenn ein Reiter nicht hinterfragt wie es möglich ist, dass ein Körper eine so starke Dauerbelastung aushalten kann. Immer dann, wenn Hilfszügel als Ausdruck der Hilfslosigkeit des Reiters zum Einsatz kommen.


Ein Pferd zum Reittier zu schulen bedeutet so viel mehr als die bloße Akzeptanz des Reitergewichts. Es bedeutet ein Wechsel aus Anspannung und Entspannung, es bedeutet Wissen über verschiedene Gewebe, deren Wachstums- und Regenerationsphasen, es bedeutet ein Tier zu schulen eine Haltung einzunehmen, die wider seiner Instinkte ist, es bedeutet Wissen über trainingsphysiologische Prinzipen zu haben. Und es bedeutet, dass der Glanz in den Augen des Pferdes nicht verloren gehen darf - denn was wäre die Kunst ohne Freude?



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