• Lena Nagler

Hilfe! Mein Pferd hat Sehne...

Wie dein Therapeut Dir und deinem Pferd in dieser Zeit helfen kann und warum "einmal Sehne, immer Sehne" für euch nicht gelten muss, erfährst Du in diesem Beitrag.


Jede Reiterin fürchtet diesen Moment: Du kommst zum Stall, holst dein Pferd zum putzen und stellst fest die Sehne ist geschwollen. Der erste Anruf gilt natürlich dem Tierarzt. Schmerztherapie, Entzündungshemmer, Ruhe, Kühlen und eine anständige Diagnostik sind im ersten Moment das A und O für die Gesundheit deines Pferdes. Aber was passiert dann?


Der Tierarzt wird, sobald das Bein dünn genug ist, einen Ultraschall durchführen, um heraus zu finden welche Struktur(en) betroffen ist, beziehungsweise sind, und wie stark der Schaden ist. Daraufhin werden sicherlich weitere mögliche schulmedizinische Therapien, wie zum Beispiel ACP, prp, etc., angesprochen. Es wird festgelegt, wann die nächste Kontrolle stattfinden soll und natürlich wie viel oder wenig sich das Pferd bis zur Kontrolle bewegen darf. An diesen Fahrplan halten wir uns natürlich.



Welchen Benefit hat mein Pferd durch einen Therapeuten?


Wahrscheinlich schießt Dir genau diese Frage gerade durch den Kopf. Wenn der Tierarzt schon all das klärt - wozu dann einen Therapeuten?


Ein Therapeut kann deinem Pferd zusätzlich über verschiedene Arten von Therapien das Leben erleichtern. Einige Therapien sind schmerzlindernd, andere fördern das Abklingen der Entzündung, die Regeneration des Gewebes kann positiv beeinflusst werden. Es wird einer zu starken Schonhaltung entgegen gewirkt, um ein möglichst physiologisches Gangbild beizubehalten und zu guter Letzt kann in Zusammenarbeit mit deiner Therapeutin ein planmäßiges, sinnvolles Auftrainieren stattfinden, welches das Risiko für einen erneuten Sehnenschaden reduziert. Neben all diesen unterstützenden Faktoren, darf eine Frage aber nicht vergessen werden:

Was ist die Ursache für den Sehnenschaden? Und wie stellen wir gemeinsam dieses Problem ab?

Die Frage nach dem "warum" ist nicht immer ganz einfach, aber sie muss gestellt werden. Denn, wenn wir ehrlich sind, dann ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Pferd sich durch ein einmaliges Wegrutschen auf der Wiese, einen Sehnenschaden zu zieht. Warum? Pferdesehnen können mehrere Tonnen Zug aushalten, sind dazu in der Lage Hochleistungssport zu kompensieren und vor allem: sie sind Fluchttiere! Was würde es evolutionär bedeuten, wenn ein einmaliges Ausrutschen den sicheren Tod bedeutet? Dann wären Pferde heutzutage ganz bestimmt ausgestorben.


Aber zurück zur Frage. Meiner Meinung nach ist Pferdetraining immer auch Menschentraining - ich muss mich selbst, mein Handeln, mein Wissen also jederzeit hinterfragen können und mein Ego immer der Gesundheit des Pferdes zur Liebe zurück stellen. Viele Sehnenschäden sind hausgemacht. Es fehlt an artgerechter Haltung, durchdachter Fütterung und an planmäßigem Training. Viel wahrscheinlicher ist also, dass der Sehnenschaden schon viel früher begonnen hat zu entstehen und zwar durch winzig kleine Mikroläsionen. Diese Mikroläsionen entstehen zum Beispiel, wenn ein überschwelliger Trainingsreiz gesetzt wird. Bekommt das Gewebe anschließend nicht genügend Zeit zur Regeneration, dann kann keine Adaption (Anpassung) auf den erhöhten Trainingsreiz stattfinden, weil der Körper vor einem neuen Training noch nicht wieder in Balance ist. Es folgen weitere Mikroläsionen. Je häufiger die Regeneration fehlt, desto wahrscheinlicher wird es, dass aus Mikroläsionen ein großer Schaden wird, der dann nur noch das i-Tüpfelchen, Wegrutschen auf der Wiese, benötigt, um sichtbar zu werden.


Die Zugfestigkeit einer Sehne hängt maßgeblich von der Aufzucht ab. Wenn bereits in jungen Jahren einiges vergeigt wurde, dann hat man es hinterher tatsächlich schwer. Das junge Pferd (bis mindestens 3 jährig) sollte also vor allem viel Auslauf bekommen, auf möglichst unterschiedlichem Gelände und großen Flächen aufwachsen, um seine Sehnen zu schulen. Nur, wenn die Sehne in jungen Jahren schon viele verschiedene Reize erfährt, wird sie sich in einer richtigen Mischung aus Elastizität und Stabilität entwickeln. Dazu gehören Spielgefährten und weite Flächen, die ein Auslaufen nach einem wilden Galopp ermöglichen.


Neben der Haltung spielt auch die Fütterung eine wichtige Rolle. Dass gutes Heu die Basis einer ausgewogenen Pferdeernährung darstellt, ist den meisten heutzutage bekannt. Aber immer wieder kommt es zu Über- und Unterversorgungen im Bereich der Mineralien und Spurenelemente, die ihrerseits ebenfalls einen entscheidenden Beitrag zur Strukturdichte beitragen. Der Bedarf eines jungen Pferdes ändert sich natürlich sehr regelmäßig, sodass die Rationen dementsprechend häufig (zum Beispiel nach dem Absetzen, als Jährling, Zweijährig) überprüft und angepasst werden müssen.


Das korrekte Training eines jungen Pferdes ist natürlich ebenfalls enorm wichtig. Der Fesselträger des Pferdes ist zunächst als Muskel angelegt und wird mit den Jahren von immer mehr sehnigen Fasern durchzogen. Erst mit erreichen des 4. Lebensjahres ist dieser Umbauprozess vollständig vollbracht. Vor dem vierten Lebensjahr ist also insbesondere der Fesselträger sehr anfällig für Verletzungen, wenn er überstrapaziert wird.


Nun können wir festhalten: hatte dein Pferd eine wunderbar durchdachte Aufzucht, dann sind die ersten Grundsteine für ein langes Leben gelegt. Allerdings schützt das nicht vor Krankheit. Genau diese oben genannten Faktoren beeinflussen dein Pferd für das restliche Leben und sind daher von höchster Priorität.


Einmal Sehne, immer Sehne - das muss nicht sein!


Ist der Sehnenschaden aber erst einmal da, dann kann ich natürlich schwierig die Kindheit meines Pferdes dafür verantwortlich machen, sondern es muss etwas getan werden, jetzt.


Welche Therapien können dein Pferd in der Regeneration unterstützen?

Ein Low Laser kann durch infrarotes Licht sowohl die Ausrichtung neuer Sehnenfasern, als auch den Heilungsprozess, positiv beeinflussen.

Die Vibrationstherapie kann die Schmerzhaftigkeit deines Pferdes herab setzen. Das hilft einerseits, um kein Schmerzgedächtnis entstehen zu lassen und andererseits befähigt es dein Pferd möglichst bald zu einem physiologischen Gangbild zurück zu finden. Hat ein Pferd Schmerzen, dann wird es sich in eine Schonhaltung begeben, je länger diese Schonhaltung anhält, desto stärker werden die Strukturen der anderen Beine belastet. Gleichzeitig wird es immer schwieriger dem Pferd zu zeigen wie es sich schmerzfrei auf dem erkrankten Bein bewegen kann.

Medizinisch funktionelles Taping kann das Pferd zusätzlich unterstützen. Es kann dem Lymphfluss anregen, wodurch die Schwellung schneller abklingt und es kann ebenfalls schmerzlindernd wirken.


Wie kann ich langfristig einem erneuten Sehnenschaden vorbeugen und wie kann ich die verletzte Sehne möglichst sicher wieder aufbauen?


Nachdem das Pferd in akuten Entzündungsphase möglichst wenig Bewegungsreize erhalten sollte, wird das Schritttraining in den folgenden Wochen und Monaten immer wichtiger. Das neue Gewebe muss sich an den Zug und die Belastung gewöhnen, damit es stabil wird. Hier zählt also jeder Schritt. Das Reha Training im Schritt kann natürlich erst aufgenommen werden, wenn das Pferd im Schritt lahmfrei ist und sollte vorsichtig gesteigert werden. Die Regenerationszeiten spielen auch hier eine wichtige Rolle. Nach mehreren Wochen sollte es möglich sein mit dem Pferd kontrolliert auf hartem Boden mehrere Stunden Schritt spazieren zu gehen. Das beugt einerseits einem Lagerkollar vor und sorgt so häufig dafür, dass die Pferde händelbar bleiben, andererseits schult es, wie bereits geschrieben, das noch junge Gewebe.



Das Aufbautraining im Trab darf erst nach einer Kontrolle durch den Tierarzt und seinem "go" erfolgen. Behutsam wird hier jeden dritten Tag ein überschwelliger Trainingsreiz gesetzt, sodass einerseits das Pferd mental entspannen kann, weil es zumindest mal 5 Minuten (und nicht nur eine lange Seite) getrabt ist, gleichzeitig wird dem Gewebe aber genügend Zeit zur Regeneration eingeräumt, indem die folgenden zwei Tage wieder "nur" Schritttraining betrieben wird. Sehnengewebe benötigt 72 Stunden zur Regeneration.


Schritt für Schritt kannst Du zusammen mit deiner Therapeutin das Pensum erhöhen und brauchst Dir keine Sorgen mehr machen, wie viel zu viel ist, weil Dir immer jemand mit Rat und Tat zur Seite steht.


Anhand des Exterieurs deines Pferdes, kann deine Therapeutin sehr gut erkenne, wie bisher trainiert wurde und wie gut dein Pferd dieses Trainingspensum bewältigen kann. Wenn dein Pferd dann also wieder fit ist, macht es Sinn sich allgemeinen Rat zur Trainingsphysiologie einzuholen und das Training dahingehend langfristig umzustellen.

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